Bundesverband der Altholzaufbereiter und -verwerter | German Waste Wood Association
Gent/Berlin, 16. Oktober 2025 – Vertreterinnen und Vertreter der europäischen Altholzbranche kamen am 24. September 2025 in Gent zur Konferenz der European Waste Wood Group (EWWG) zusammen. Die vom Bundesverband der Altholzaufbereiter und -verwerter (BAV) organisierte Tagung brachte Expertinnen und Experten aus ganz Europa zusammen, um aktuelle Marktentwicklungen, politische Rahmenbedingungen sowie Strategien für die stoffliche und energetische Verwertung von Altholz zu diskutieren. Der BAV organisiert die Sitzungen der EWWG halbjährlich und fördert damit den fachlichen Austausch zwischen Mitgliedern und europäischen Partnern.
Romain Lecointre (Ecomaison) stellte das französische System der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) sowie den Ausbau landesweiter Sammel- und Recyclingstrukturen vor. Im Jahr 2024 wurden in Frankreich rund 7,7 Mio. Tonnen Altholz erfasst – ein Plus von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereits 93 Prozent dieser Mengen werden verwertet: etwa die Hälfte stofflich, vor allem in der Spanplattenproduktion, und 43 Prozent energetisch. Mit dem neuen EPR-System für Bauprodukte und -materialien wird ein zusätzliches Recyclingpotenzial von mehreren Millionen Tonnen pro Jahr erwartet. Lecointre betonte, dass Frankreich verstärkt in Sortier- und Aufbereitungskapazitäten investieren will, um die Kreislaufwirtschaft weiter zu stärken und den Anteil von Recyclingholz zu erhöhen.
Julia Turner (Wood Recyclers’ Association, Vereinigtes Königreich) berichtete über Entwicklungen im britischen Markt, wo im Jahr 2024 von insgesamt 4,5 Mio. Tonnen anfallendem Altholz rund 4,3 Mio. Tonnen verarbeitet wurden. Etwa 65 Prozent gingen in die energetische Verwertung, 21 Prozent in die stoffliche Nutzung. Altholz der Kategorie A1 findet darüber hinaus Verwendung als Einstreu in der Tierhaltung (animal bedding). Mit einer Gesamtnutzungsquote von über 96 Prozent bleibt Großbritannien einer der stabilsten Altholzmärkte Europas. Turner erklärte, dass das britische System von einer klaren Klassifizierung und Einstufung des Altholzes profitiert, um sicherzustellen, dass die jeweiligen Qualitäten in die passenden Verwertungswege gelangen. Sie unterstrich zudem das wachsende Engagement der Branche, die stoffliche Verwertung und das Recycling stärker neben der energetischen Nutzung auszubauen. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liege auf der Verbesserung politischer Rahmenbedingungen, die die Abfallhierarchie unterstützen und die getrennte Erfassung fördern, um den Rohstoff möglichst lange im Kreislauf zu halten.
Tobias Liljekvist (Mälarenergi) sowie Guy Evans und Ralph Stephan (EFO) gaben einen Überblick über den skandinavischen Altholzmarkt, der derzeit rund 7,5 Mio. Tonnen pro Jahr verwertet und eine starke Wachstumsdynamik aufweist. In Schweden werden etwa 63 Prozent energetisch genutzt und 37 Prozent stofflich recycelt, während Dänemark rund 90 Prozent stofflich und 10 Prozent energetisch verwertet. In Norwegen fließen etwa 70 Prozent in die energetische Nutzung und 20 Prozent ins Recycling; Finnland zeigt mit seinem deutlichen Energiefokus ein ähnliches Bild wie Schweden. Die Referenten hoben die Bedeutung der Fernwärmenetze und nationalen Biomassestrategien hervor, die den Wettbewerb um den Rohstoff zwischen Energieerzeugern und der Holzwerkstoffindustrie zunehmend verschärfen.
Matti Rantanen (European Panel Federation, EPF) stellte eine aktuelle Strategiestudie zur Holzverfügbarkeit vor und betonte die Bedeutung der stofflichen Verwertung für die europäische Holzwerkstoffindustrie. Die Branche beschäftigt über 100.000 Menschen, erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 25 Mrd. Euro und verarbeitet jährlich 58 Mio. m³ Holz – fast die Hälfte davon stammt mittlerweile aus Recyclingquellen. Dadurch werden über 9,8 Mio. Tonnen Frischholz eingespart und erhebliche CO₂-Emissionen vermieden. Rantanen unterstrich, dass die Branche damit maßgeblich zur Ressourceneffizienz und zum Klimaschutz beiträgt. Gleichzeitig warnte er vor zunehmender Rohstoffkonkurrenz, da die Energie- und Biomassesektoren bereits mehr als 60 Prozent des verfügbaren Holzes in Europa beanspruchen. Er forderte eine Stärkung des Prinzips der Kaskadennutzung, um ein nachhaltiges Gleichgewicht zwischen stofflicher und energetischer Nutzung im Einklang mit dem europäischen Green Deal sicherzustellen.
„Die europäischen Gruppensitzungen tragen entscheidend dazu bei, Wissen und Erfahrungen über den Umgang und die Verwertung von Altholz zu bündeln. Sie stärken die Zusammenarbeit der Märkte und schaffen Vertrauen im europäischen Altholzhandel“, erklärte Simon Obert, Geschäftsführer des BAV.
Die nächste Sitzung der EWWG findet am 23.-24. Juni 2026 in Straßburg statt, gefolgt von einer weiteren Sitzung am 7.-8. Oktober 2026 in Neapel.
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